Stefan Grissemann

Cannes 2012 (I): Wes Andersons „Moonrise Kingdom“

In der Spielzeugwelt des Wes Anderson verwandelt sich jede denkbare Szenerie in ein Kinderzimmer. In dieser Welt waltet allerdings eine strenge Choreografie, die von den Parallelfahrten der Kamera bis zu den abgezirkelten Interaktionen der Schauspieler reicht. Kindliches Chaos herrscht nur in der blühenden Phantasie des Autors. Mit Andersons „Moonrise Kingdom“, einem sehr charakteristischen Beispiel für die Kunst und die Visionen des Texaners Wes Anderson, wurden am Mittwoch die 65. Filmfestspiele in Cannes eröffnet; der Festivaleinstieg geriet (weiterlesen …)

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Otmar Lahodynsky

Krisengewinner

Krisen haben auch ihr Gutes. Plötzlich sprechen auch EU-Politiker offen an, was früher absolutes Tabu war: Den möglichen Euro-Austritt Griechenlands etwa. Und auch die früher bei jedem Anlass hyperventilierenden Finanzmärkte reagieren bisher erstaunlich gelassen auf die Wahlergebnisse an der Wiege der Demokratie und in Frankreich.
Ein Euro-Austritt eines Mitglieds wäre also nicht das Ende der EU, auch wenn Milliarden an Krediten damit wohl endgültig abzuschreiben wären.
Auch innerhalb der EU gibt es ein Umdenken: Radikale Sparpakete, die ein Land in den wirtschaftlichen Abgrund treiben- und im Fall Griechenlands auch radikale Parteien stärken-, sind nicht der Weisheit letzter Schluss.
Nach dem Wahlsieg Francois Hollandes wird nun in der EU endlich ernsthaft über Initiativen für Wachstum und Jobs diskutiert. Das von Angela Merkel verteidigte Dogma, Haushaltsdisziplin allein werde schon die Wirtschaft beleben, ist nicht mehr die vorherrschende Denkschule. Auch dafür haben die Wahlresultate in Griechenland und Frankreich gesorgt.

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Michael Nikbakhsh

Preisrätsel

Die Treibstoffkosten also. Man muss kein Benzin im Blut haben, um die jüngsten Spritpreissprünge – Ostern, eh klar – zu beweinen. Und Pfingsten naht bedrohlich. Nun ist es natürlich legitim, die ziemlich erratische Preisgestaltung an der Zapfsäule den bösen Multis umzuhängen. Denn tatsächlich gestalten sie ihre Preise, wie sie eben wollen. Auch deshalb, weil die Automobilisten zwar einerseits larmoyieren, dann aber eben doch tanken. Was dabei geflissentlich vergessen wird: Österreichs hauptsächlicher Beitrag zur globalen Brennstoffverschwörung firmiert unter dem Kürzel OMV (nämliches stand übrigens einmal für “Oesterreichische Mineralölverwaltung“, dann für “Österreicher mit Verantwortung“ und steht mittlerweile für gar nichts mehr). Und wer kontrolliert die OMV noch mal? (weiterlesen …)

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Sven Gächter

Mediamarkt

Die Westentaschenrassisten unter Österreichs Fußballbewegten und ihren medialen Multiplikatoren sind derzeit einer ernsthaften Zerreißprobe ausgesetzt. Jahrzehntelang konnten sie ihre Piefkephobie ungebremst auf den Schicki- und Schnöselverein Bayern München fokussieren, wobei das landläufige Präpotenzverdikt auch dem Vergleich mit so endschnöseligen Clubs wie Real Madrid, Chelsea oder Manchester City eisern standhielt – sind ja, bitte schön, keine Deutschen. (weiterlesen …)

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Tina Goebel

Anatolische Blüten im Gemeindebau

Filmkritik. Die letzten Tage sorgt KUMA, der erst Kinofilm des jungen österreichischen Nachwuchsregisseurs Umut Dağ für Aufregung. Dağ selbst stammt aus einer kurdischen Familie und wuchs in einem “Migrantenbau” in Österreich auf. Er erzählt die Geschichte einer türkischen Familie aus Anatolien, die in Wien lebt. Die Protagonisten sprechen Türkisch, der Film ist untertitelt, was an sich bereits außergewöhnlich ist. Sehr speziell ist auch die Handlung, die er erzählt, jedoch (weiterlesen …)

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Sven Gächter

Mediamarkt

Am 3. Dezember 2011 absolvierte Thomas Gottschalk seine letzte “Wetten dass..?“-Show, fast 25 Jahre nachdem er den ZDF-Unterhaltungstanker übernommen hatte. Am 7. Juni 2012 wird er zum letzten Mal den ARD-Vorabendtalk “Gottschalk live“ moderieren, keine fünf Monate nach der heftig betrommelten Premiere. Der Vergleich sagt einiges aus über die Halbwertszeiten im modernen Fernsehgeschäft, und er sagt vieles aus über die Allgewalt der Einschaltquoten. Was aber sagt er aus über Thomas Gottschalk? Hat er innerhalb kürzester Zeit so dramatisch abgewirtschaftet, dass er möglichst schnell und halbwegs schmerzlos entsorgt werden muss, (weiterlesen …)

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Sven Gächter

Mediamarkt

Günter Grass musste vierundachtzigeinhalb Jahre alt werden, um endlich in einer Demokratie zur persona non grata zu avancieren. Zuvor war ihm das nur in zwei Diktaturen gelungen, in Burma und der DDR seligen Angedenkens, wo er als “zersetzendes Element“ eingestuft wurde, wie der deutsche Literaturnobelpreisträger und Teilzeitlyriker in seiner Reaktion auf das von Israel verhängte Einreiseverbot nicht ohne sentimentalen Stolz vermerkte. (weiterlesen …)

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Sven Gächter

Mediamarkt

Die heimliche Leidenschaft des deutschen Großschriftstellers Günter Grass galt – neben expressiven Kohlezeichnungen – immer dem in der Neuzeit gern belächelten Genre Lyrik. Für seine schöpferischen Hervorbringungen auf diesem Gebiet nur belächelt zu werden ist seit vergangenem Mittwoch allerdings das geringste der Probleme von Grass. Gleich drei Weltblätter (“Süddeutsche Zeitung“, “New York Times“, “La Repubblica“) druckten sein Gedicht “Was gesagt werden muss“, in dem der Literaturnobelpreisträger tatsächlich keine andere Sorge hat, als den Iran zum Opfer von Israels aggressiver Nuklearpolitik zu verklären. (weiterlesen …)

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