Archiv für den Monat September 2009



Gunther Müller

Es war einmal die Al Kaida

Man kennt das Phänomen: Eine Popgruppe, die früher ob ihrer kraftvollen Performance und ihres Idealismus verehrt wurde. Nach ein paar Jahren nicht mehr den Zeitgeist traf und nicht länger ernst genommen wurde. Und plötzlich die Konzerthallen nicht mehr füllen kann. So ungefähr muss sich Osama bin Laden, falls er überhaupt noch lebt oder zurechnungsfähig ist, acht Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center fühlen. (weiterlesen …)

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Stefan Grissemann

Der Kreis schließt sich

Als das Filmfest in Venedig am 2. September 2009 eröffnet wurde, erschütterte eine Meldung aus den Vermischten Nachrichten die cinephile Welt: Die slowenische Kritikerin und Kinoaktivistin Nika Bohinc, noch keine 30 Jahre alt, und ihr philippinischer Freund Alexis Tioseco, 28, als Autor und Filmstreiter so hochbegabt und leidenschaftlich wie sie, waren am späten Abend des 1. September in ihrem Heim in Manila von drei bewaffneten Einbrechern niedergeschossen, ermordet worden – für nichts als einen Laptop und ein paar herumliegende Habseligkeiten. (weiterlesen …)

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Michael Nikbakhsh

Mutter löst die Pensionskrise

Generationenvertragsverhandlungen. Gestern abend ruft Mutter an. Sie ist richtig sauer. Auf meinen Kollegen Gernot Bauer aus dem Innenpolitik-Ressort, auf die profil-Zeitung und irgendwie auch auf mich, da ich ja für nämliche arbeite. Bauer hat sich jüngst (gemeinsam mit Eva Linsinger) in einer Titelgeschichte (profil Nr. 35/09) durchaus kritisch mit den Begehrlichkeiten einer „maßlosen Kaste von Frühpensionisten und Langzeitrentnern” beschäftigt und damit eine ziemlich emotionale Debatte zum Zustand unseres Pensionssystems losgetreten. Mutter ist zwar weder Frühpensionistin noch Langzeitrentnerin, aber eben in Ruhestand. „Ich hab’ Jahrzehnte wie blöd geschuftet“, herrscht sie mich an, „und dann kommt dieser Gockel von Herrn Bauer daher, macht sich über die Pensionisten lustig und will mir meine Rente streitig machen? Ich würde dich wirklich bitten, ihm die Meinung zu sagen.“ „Deine oder meine?“, frage ich leise. (weiterlesen …)

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Stefan Grissemann

Nobody gets hurt!

Die Politik, gebrochen durch das Kino und multipliziert mit der Breitenwirkung einer internationalen Laufbilderausstellung, kann seltsame Züge annehmen. Denn im komplizierten Zusammenspiel von Filmwirtschaft, Politanspruch und Society-Surrealismus verschieben sich die Ideologiedebatten ins weit offene Feld der verkäuflichen Phantasie. Anything goes! Und: Nobody gets hurt! Die laufende Mostra d’Arte Cinematografica in Venedig scheint sich heuer sogar mehr noch als in den Jahren zuvor als Stichwortgeberin in aktuellen (und historischen) politischen Fragen zu verstehen, was zwar den schönen Effekt einer gewissen programmatorischen Solidität hat, zuweilen aber auch ein bisschen gespenstisch anmutet. (weiterlesen …)

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Sven Gächter

FAUST-Marathon

„,Faust 2‘ wird von einigen als wirr empfunden“, sagt Martin Traxl und landet damit immerhin gleich einen User-Kommentar auf Twitter. Zu diesem Zeitpunkt, Freitag, 4. September 2009, 22.38 Uhr, ist die ORF-Galaübertragung aus dem Burgtheater anlässlich des Goethe-Marathons zum Einstand des neuen Burgtheaterdirektors Matthias Hartmann schon siebeneinhalb Minuten alt, und die Wirrnis kennt keine Grenzen. Selten hat der österreichische Rundfunk seinen Kulturauftrag ernster genommen und noch seltener einen kostspieligeren Apparat dafür bemüht, den offenbar kein strebenderes Bemühen einte, als die erratische und, bei allem bildungsbürgerlichen Respekt, unsäglich lähmende Dramaturgie von „Faust. Der Komödie zweiter Teil“ mit modernsten televisionären Mitteln nachzuempfinden: Impressionen aus dem menschenleeren Pausenfoyer, Interviews mit namenlosen Premierengästen, verstörend coole vorgefertigte Zuspielungen mit „Sendung ohne Namen“-Flair. „Ziemlich viel unklar und rätselhaft“, resümiert ORF-Kulturchef Traxl mit dekorativ hochgezogenen Augenbrauen, ohne dabei jedoch in einen Beschwichtigungs- oder gar Entschuldigungsmodus zu verfallen. Dass Österreichs öffentlich-rechtliches Fernsehen sich zu einem solchen Kraftakt aufschwingt, ist durchaus spektakulär – wenn auch nicht so spektakulär wie das gleichsam faustische Scheitern an diesem Projekt. „Das kann nur schiefgehen“, sagt Hartmann im Pauseninterview, und er wird damit wohl nicht nur den „Faust“ gemeint haben.

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Michael Nikbakhsh

Luftnummer SkyEurope

Grounding. Vor nunmehr einer Woche habe ich in unserer Printausgabe (profil Nr. 35/09, erschienen am 24. 8.) eine Glosse zur Malaise von SkyEurope verfasst, die SkyEurope wenig überraschend wenig erfreut hat. Da stand zu lesen: Neulich an Flughäfen quer durch Europa: Passagiere, zumeist österreichischer Provenienz, müssen leidvoll erfahren, dass Fliegen nur dann schöner ist, wenn man auch tatsächlich fliegt. Was bei SkyEurope nun wirklich keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Genau genommen hat das fortgesetzte Dilettieren der Airline mit kommerzieller Fliegerei im eigentlichen Sinn des Wortes nichts mehr zu tun. Gut, SkyEurope steht seit eineinhalb Monaten in der Slowakei unter Gläubigerschutz. Man ist damit zwar irgendwie pleite, aber irgendwie auch nicht. Ist ein bisschen wie beim Wachkoma. (weiterlesen …)

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