Archiv für den Monat Februar 2012



Stefan Grissemann

Eurokino, Tränennacht

Ein deutlicheres Zeichen für den Untergang des analogen Films konnte es nicht geben: Die multinationale Eastman Kodak Company, 1892 gegründet – praktisch zeitgleich mit der Erfindung des bewegten Bildes –, hatte vor fünf Wochen ihren Insolvenzantrag gestellt. So lag der Schatten des Kodak-Konkurses, auch wenn er nur scherzhaft behandelt wurde, über der Oscar-Nacht 2012. Nach dem jähen Ausfall des Sponsors musste der Schauplatz der Gala nach den Straßen, an denen er in Los Angeles liegt, sogar kurzerhand umbenannt werden: Das Bauwerk heißt nun nicht mehr Kodak Theatre, sondern (durchaus profaner) Hollywood & Highland Centre. Moderator Billy Crystal fand einen anderen schönen Begriff für das Haus: Mit „Chapter 11 Theatre“ verwies er auf einen Abschnitt des US-Insolvenzrechts und auf den Bankrott des prominenten Filmherstellers in der digitalen Ära.

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Philip Dulle

Konsequent resistent

Die Oscar-Verleihung 2012 bediente abermals ihr Stammpublikum: Männlich, weiß und sechzig plus.

Sich über die schwerfällige, ja schon fast komisch-nostalgische Oscar-Verleihung zu mokieren – obwohl sich die Academy mit viel Liebe und Starrköpfigkeit zu erneuern versucht (und konsequent daran scheitert) –, ist nun, nachdem wir uns bereits auf 2013 freuen dürfen, mehr als vergeudete Liebesmüh: Immerhin wurde das „Kodak Theatre“ nach dem Konkurs des Hauptsponsor etwas schwerfällig in „Hollywood and Highland Center“ (die Namensrechte gibt es für schlappe 3,6 Millionen Dollar im Jahr) umbenannt, und der österreichische Stammkoch Wolfgang Puck servierte erstmals krisensichere Häppchen statt Drei-Gänge-Menü – und nannte dies energisch „neue Energie“. (weiterlesen …)

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Peter Michael Lingens

Gesetzesinitiative von Grasser, Hochegger und Co

Das Justizministerium plant ein Gesetz, das nur die Herren Grasser, Strasser, Hochecherr, Meischberger und Co entworfen haben können: Künftig soll es auch bei Amtsmisbrauch die Möglichkeit der Diversion, also der internen Einigung mit dem Staatsanwalt geben. Natürlich wird man dabei den Schaden gutmachen und mehrere Tagessätze Strafe zahlen müssen, aber die Kalkulation jedes Ganoven kann doch in Zukunft nur folgendermaßen aussehen: Ich verabrede mit meinem Partner selbstverständlich bei jeder sich bietenden Möglichkeit einen maximal lukrativen Amtmissbrauch. Geht alles gut, so haben wir beide ordentlich verdient. Geht es ausnahmsweise schief, so greifen wir auf einen Fond zurück, in den wir bei jedem gelungenen Amtmissbrauch 10 Prozent vom Gewinn eingezahlt haben und der jetzt zr Finanzierung der Diversion herangezogen wird. (weiterlesen …)

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Tina Goebel

Einmal noch lustig

Karneval. Heute ist Faschingsdienstag. Das Ende des Karnevals, oder der Anfang der weniger lustigen Fastenzeit. Wie auch immer.

Kulturhistorisch war dieser Brauchtum nicht nur etwas besonderes, da die Arbeit eingestellt und gefeiert und getanzt wurde –  es war der einzige Tag im Jahr, an dem die Sklaven und Könige gleich gestellt waren und das tragen einer Maske das Schlüpfen in eine andere Rolle gesellschaftlich ermöglichte. (weiterlesen …)

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Sven Gächter

Mediamarkt

Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff war besonnen genug, seine kurze Rücktrittsrede am vergangenen Freitag nicht zu einer Generalabrechnung mit DEN MEDIEN zu nutzen. Das Apropos, die Berichterstattung habe ihn und seine Frau „verletzt“, dürfte er seiner Selbstachtung schuldig gewesen sein, wobei er möglicherweise Absicht mit Wirkung verwechselte: Die historisch wohl einzigartige Allianz zwischen Boulevard und High-Brow – von „Bild“ über „Spiegel“ und „Süddeutsche“ bis zur „FAZ“ – beruhte sicherlich nicht auf einem intermedialen Einvernehmen, aus Jux und Tollerei den höchsten Repräsentanten des Landes über die Klinge springen zu lassen. (weiterlesen …)

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Stefan Grissemann

Berlinale 2012 (III): Die Preise

Es gehörte einiges dazu, aus dem überraschend starken Programm, das die 62. Internationalen Filmfestspiele in Berlin bereit hielten, sich ausgerechnet ein Werk des freundlichen Mittelmaßes für den Hauptpreis vorzubehalten. Jury-Präsident Mike Leigh entschied sich mit seinem Team nicht für inszenatorische Feinmechanik, nicht für radikale Gegenwärtigkeit und schon gar nicht für die avancierte Form, sondern (weiterlesen …)

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Stefan Grissemann

Berlinale 2012 (II): Plädoyers für eine Revision

Auch dies gehört zum Festivalbetrieb: Bisweilen beginnen zwei Filme, die voneinander nichts wissen, sich gegenseitig zu beleuchten und zu bereichern, über die eigenen Grenzen hinaus zu treten, auszuufern und einzusickern in die Erfahrung des jeweils anderen Werks. Das ist der Festivalglücksfall, die sprichwörtliche Spur, die (weiterlesen …)

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Stefan Grissemann

Berlinale 2012 (I): Filmfestivals? Wozu?

Filmfestivals sind kuriose Veranstaltungen, die diesjährige Berlinale bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Da wird eine – zugegeben sogar unter widrigsten Umständen noch virtuose – amerikanische Filmschauspielerin (Meryl Streep) mit einem Ehrenbären ausgerechnet in jenem Jahr geehrt, in dem sie mit dem absurdesten Film ihrer Karriere am Start steht: (weiterlesen …)

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