Stefan Grissemann - Alle Artikel
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In der Spielzeugwelt des Wes Anderson verwandelt sich jede denkbare Szenerie in ein Kinderzimmer. In dieser Welt waltet allerdings eine strenge Choreografie, die von den Parallelfahrten der Kamera bis zu den abgezirkelten Interaktionen der Schauspieler reicht. Kindliches Chaos herrscht nur in der blühenden Phantasie des Autors. Mit Andersons „Moonrise Kingdom“, einem sehr charakteristischen Beispiel für die Kunst und die Visionen des Texaners Wes Anderson, wurden am Mittwoch die 65. Filmfestspiele in Cannes eröffnet; der Festivaleinstieg geriet (weiterlesen …)
Ein deutlicheres Zeichen für den Untergang des analogen Films konnte es nicht geben: Die multinationale Eastman Kodak Company, 1892 gegründet – praktisch zeitgleich mit der Erfindung des bewegten Bildes –, hatte vor fünf Wochen ihren Insolvenzantrag gestellt. So lag der Schatten des Kodak-Konkurses, auch wenn er nur scherzhaft behandelt wurde, über der Oscar-Nacht 2012. Nach dem jähen Ausfall des Sponsors musste der Schauplatz der Gala nach den Straßen, an denen er in Los Angeles liegt, sogar kurzerhand umbenannt werden: Das Bauwerk heißt nun nicht mehr Kodak Theatre, sondern (durchaus profaner) Hollywood & Highland Centre. Moderator Billy Crystal fand einen anderen schönen Begriff für das Haus: Mit „Chapter 11 Theatre“ verwies er auf einen Abschnitt des US-Insolvenzrechts und auf den Bankrott des prominenten Filmherstellers in der digitalen Ära.
Es gehörte einiges dazu, aus dem überraschend starken Programm, das die 62. Internationalen Filmfestspiele in Berlin bereit hielten, sich ausgerechnet ein Werk des freundlichen Mittelmaßes für den Hauptpreis vorzubehalten. Jury-Präsident Mike Leigh entschied sich mit seinem Team nicht für inszenatorische Feinmechanik, nicht für radikale Gegenwärtigkeit und schon gar nicht für die avancierte Form, sondern (weiterlesen …)
Auch dies gehört zum Festivalbetrieb: Bisweilen beginnen zwei Filme, die voneinander nichts wissen, sich gegenseitig zu beleuchten und zu bereichern, über die eigenen Grenzen hinaus zu treten, auszuufern und einzusickern in die Erfahrung des jeweils anderen Werks. Das ist der Festivalglücksfall, die sprichwörtliche Spur, die (weiterlesen …)
Filmfestivals sind kuriose Veranstaltungen, die diesjährige Berlinale bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Da wird eine – zugegeben sogar unter widrigsten Umständen noch virtuose – amerikanische Filmschauspielerin (Meryl Streep) mit einem Ehrenbären ausgerechnet in jenem Jahr geehrt, in dem sie mit dem absurdesten Film ihrer Karriere am Start steht: (weiterlesen …)
Es sei manchmal echt kein Schaden, Präsident der hiesigen Filmakademie zu sein, meinte Karl Markovics gegen Ende des Abends ironisch, als sich längst abzeichnete, dass sein Regiedebüt, das Resozialisierungsdrama „Atmen“, nicht nur zum unumschränkten Sieger der zweiten Österreichischen Filmpreis-Gala avancieren, sondern sich sogar mit jeder einzelnen seiner Nominierungen gegen alle Konkurrenten durchsetzen würde. Am Ende nahm Markovics (weiterlesen …)
Der Vorverkauf läuft, die Hysterie steigt, und die exponierten Filme dieses Jahres, von Lars von Triers Melancholie-Groteske bis zu David Cronenbergs Freud-Phantasie, vom neuen Post-Neorealismus-Exponat der Brüder Dardenne bis zu der Papst-Commedia Nanni Morettis und George Clooneys US-Politdrama „The Ides of March“, sind wie gewohnt gleich ausverkauft – aber das macht nichts, denn (weiterlesen …)
Auch in Venedig war nun, wie schon bei der Berlinale vor sieben Monaten, eine Festivaljury am Werk, die den Mut besaß, nicht einfach nur die beliebtesten oder unterhaltsamsten Filme auszuzeichnen, sondern die künstlerischen Herausforderungen allen leichter zugänglichen Produktionen vorzog. Indem man am Samstagabend am Lido den Hauptpreis der 68. Mostra internazionale d’Arte cinematografica, den Goldenen Löwen, der sehr freien, bewusst absurden und im besten Sinne wunderlichen „Faust“-Adaption des Russen Alexander Sokurov zusprach, setzte die Jury unter dem Vorsitz des US-Regisseurs Darren Aronofsky („Black Swan“) auch ein starkes Signal: (weiterlesen …)