Stefan Grissemann - Alle Artikel
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Als einigermaßen exzentrisch ist Österreichs Filmszene international bekannt. Die Kino-Mostra in Venedig bestätigte diesen Ruf: Nach Michael Glawoggers bildgewaltiger Prostitutions-Doku „Whores’ Glory“ erregten nun zwei weitere Filmemacher aus Wien in der „Orizzonti“-Schiene des Festivalprogramms Aufsehen. (weiterlesen …)
Die Weltabbildungsmaschine Kino erscheint zu schwer, zu wenig beweglich, um auf die Umstürze und Katastrophen in der Menschheitsgeschichte auch nur annähernd aktuell reagieren zu können. Was einem im Kino als „gegenwärtig“ verkauft wird, hat in der Regel mindestens ein Jahr (meist deutlich mehr) an Vorbereitung, Dreharbeiten und Postproduktion hinter sich. Weil Filmfestivals nun aber Schauplätze sind, an denen gerade politische Aktualität sehr gefragt ist, (weiterlesen …)
Am Ende hatte sich der Baum des Lebens, den Terrence Malick in seinem gleichnamigen neuen Film so eindringlich feierte, in ein Palmblatt aus 24-karätigem Gold verwandelt. Die begehrte Palme d’Or des Filmfestivals in Cannes ging 2011 somit an einen Film, der im diesjährigen Wettbewerbsprogramm tatsächlich unübersehbar seine eigene Kategorie bildete: (weiterlesen …)
Auch wenn der Chefneurotiker aus Kopenhagen gleich öffentlich betonte, wieder am Damm zu sein, dem Alkohol abgeschworen zu haben, sogar dann und wann ein Buch zu lesen und insgesamt den Weg in eine rundum langweilige Existenz eingeschlagen zu haben: Richtig gut geht’s Lars von Trier noch immer nicht. Dieser Schluss liegt jedenfalls nahe, wenn man (weiterlesen …)
Es war keine große Überraschung, dass der Schöpfer des wohl am sehnsüchtigsten erwarteten Films dieses Jahres zu seiner eigenen Pressekonferenz in Cannes nicht erschien: Der amerikanische Regisseur Terrence Malick, 68, gilt als derart scheu, dass er öffentliche Situationen, jede Art von Auftritten und Interviews kategorisch meidet. Hohe Produktionsgeschwindigkeit liegt dem Mann, der in 40 Jahren nur eine Handvoll Kinoarbeiten zustande brachte, sowieso nicht: (weiterlesen …)
Kaputte Familien sind offenbar ein Generalthema im gegenwärtigen österreichischen Autorenfilm (siehe auch Ludwig Wüsts „Tape End“ oder Johannes Hammels „Folge mir“): Marie Kreutzers komplexer Ensemblefilm „Die Vaterlosen“, der – nach seinem Berlinale-Einsatz vor wenigen Wochen – nun bei der Grazer Diagonale mit dem Großen Preis ausgezeichnet wurde, (weiterlesen …)
Dies sei „Hollywood’s biggest night“, frohlockte Co-Moderatorin Anne Hathaway gleich zu Beginn, als gehe es vor allen Dingen darum, sich noch einmal der (länger schon nicht mehr ganz außer Zweifel stehenden) Bedeutung der amerikanischen Filmindustrie zu vergewissern. Die 83. Oscar-Show war eine Direktübertragung aus dem Sperrgebiet der Kino-Eitelkeiten, eine geschlossene Veranstaltung in jedem Sinn des Begriffs: Mit keinem Wort wurde hier die äußere Welt auch nur zur Kenntnis genommen, in Hollywoods Kodak Theatre zählte 2011 mehr denn je nur der innere Kreis der nominierten und ausgezeichneten Prominenz. Die digitalen Fantasy-Welten der Blockbuster-Industrie schienen an diesem Abend greifbarer und realistischer als alle derzeit weltweit aufflammenden Revolutionen, als der laufende Umbau der Welt: Die politische Wirklichkeit hat mit dem US-Kino, wie es in dieser „biggest night“ zelebriert wurde, nichts mehr zu tun. So war es keine große Überraschung, (weiterlesen …)
Es zahlt sich eben aus, wenn Filmfestivaljurys nicht bloß nach halbwegs klingenden Namen zusammengewürfelt, sondern sinnvoll, also nach Diskursfähigkeit, Kinowissen und Geschmackssicherheit rekrutiert werden. Die soeben zu Ende gegangene Berlinale profitierte ganz eindeutig von jenem (übrigens auch immens sympathischen) Gremium, das am Ende alle wesentlichen Arbeiten eines qualitativ eher unebenen Wettbewerbs prämierte: Jury-Präsidentin Isabella Rossellini und der kanadische Regie-Exzentriker Guy Maddin kennen einander bestens, arbeiten seit fast einer Dekade miteinander (auch in der nächsten Maddin-Groteske, in „Keyhole“, wird Rossellini zu sehen sein); die Schauspielerin Nina Hoss bewies ihre Cinephilie in einer langjährigen Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Christian Petzold, die australische Produzentin Jan Chapman wiederum gehört zu den Entdeckerinnen der Filmemacherin Jane Campion; Bollywood-Darsteller Aamir Khan („Lagaan“) und Martin Scorseses britische Kostümbildnerin Sandy Powell komplettierten die diesjährige Berlinale-Jury.
Wer der große Sieger der 61. Filmfestspiele in Berlin sein würde, war allerdings abzusehen: Der mit dem Goldenen Bären 2011 ausgezeichnete iranische Beitrag „Nader and Simin, A Separation“ blieb de facto unschlagbar, weil er (weiterlesen …)