Archiv für die Kategorie ‘Wirtschaft & andere Seltsamkeiten’
Es ist eines der ehernen Gesetze unserer Branche: Journalismus ist Wiederholung. Das liegt weniger an denen, die ihn betreiben, als vielmehr als jenen, die sie beschreiben. Was mich zur Justiz führt. Vor exakt einem Jahr notierte ich an dieser Stelle: Zeit ist bekanntlich relativ. Und es dürfte kaum ein Justizsystem in der westlichen Hemisphäre geben, in dem Zeit so überhaupt keine Rolle zu spielen scheint wie in Österreich. (weiterlesen …)
Die Affäre um die mutmaßlichen Insidergeschäfte von OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer im März 2009 wirft vor allem eine Frage auf: Hatte er das wirklich notwendig? Ruttenstorfer hat die Reputation der OMV, die der Wiener Börse und natürlich auch die eigene leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Und wofür? Für ein paar tausend OMV-Aktien. Würde er sie heute verkaufen, erzielte er einen Gewinn von nicht einmal 100.000 Euro. Für den Vorstandsvorsitzenden des bedeutendsten Industriekonzerns des Landes ist das allenfalls ein besseres Handgeld (was auch ein wenig dafür spricht, dass Ruttenstorfer keine zwielichtigen Motive hatte). Sein Vorgehen war wenn schon nicht kriminell, so doch beschämend unprofessionell. (weiterlesen …)
Wehe dem, der in die Fänge dieser Justiz gerät. Die dem Obersten Gerichtshof zugeordnete Generalprokurator hat diesem soeben empfohlen, die Urteile im Bawag-Prozess aufzuheben. Wegen schwerer Mängel in der Verfahrensführung von Richterin Claudia Bandion-Ortner, nunmehr Justizministerin. Und der Dame fällt in einer ersten Reaktion nicht mehr ein als: „Man kann nicht erwarten, dass in so einem riesigen Verfahren keine Fehler passieren.“ Sollte es noch eines Beweises bedurft haben, dass Bandion-Ortner den Boden unter den Füßen verloren hat, voilà. Ihren „Fehlern“ ist es geschuldet, dass Helmut Elsner seit bald vier Jahren wegen angeblicher „Fluchtgefahr“ in U-Haft sitzt. (weiterlesen …)
Die Cass Business School in London gilt als eine der ersten Adressen im angelsächsischen Raum. Ein Cass-Abschluss gilt gemeinhin als Eintrittskarte in die Welt der Hochfinanz. Und weil ebenda zuletzt einiges aus dem Ruder gelaufen ist, erscheint es durchaus angemessen, die Auszubildenden mit den dunkleren Seiten des Geldgewerbes vertraut zu machen. Ein österreichischer Cass-Student übermittelte mir einen Auszug aus einem seiner Skripten: eine Liste der „größten Handelsverluste“ im weltweiten Finanzgeschäft seit den frühen neunziger Jahren mit den Namen der jeweils Verantwortlichen. Und siehe da: Unter 28 Genannten – darunter Kaliber wie Jérôme Kerviel (Société Générale), Nick Leeson (Barings Bank) und John Meriwether (LTCM) – finden sich immerhin fünf Österreicher: (weiterlesen …)
Dass Ulla Schmid und ich nicht nur Freunde im Lande haben, liegt in der Natur der Sache. Soll sein. Journalismus, zumal investigativer, ist kein Beliebtheitswettbewerb. Dass Kollegin Schmid und ich nun aufgrund unserer Berichterstattung ins Visier der Justiz geraten sind, hat aber selbst das rechte Lager empört. Pressefreiheit, das erkennen auch habituelle Kritiker unseres Magazins an, ist ein unverzichtbarer Teil jeder entwickelten Demokratie. Was natürlich nicht heißt, dass das jeder im Lande so sieht.
Freitag vergangener Woche ereilten mich „ohne jede Hochachtung“ Zuschriften eines „Oskar Mazerath“, welche ich der guten Ordnung halber wiedergebe: „Herr Nikbakshs (sic!) … Sie sind nichts weiter als ein linker Zeitungsschmierer in einem unbeutenden (sic!) Wochenblattl, den ich nicht einmal ersatzweise den Aufsatz für einen Erstklass-Volksschüler (sic!) schreiben lassen würde … Sie würde ich bei einer richtigen Zeitung nicht einmal die Papierkörbe ausleeren lassen, weil Sie damit offensichtlich schon überfordert wären!!!“ (weiterlesen …)
Eine Frage, die Kollegin Ulla Schmid und ich neuerdings dauernd gestellt bekommen: „Und, wann geht ihr einsitzen?“ Mag ja lustig gemeint sein, ist es aber nur bedingt. Österreichs Realverfassung im Jahre 2010: Eine Justiz lässt in offenkundiger Ignoranz des eigenen Rechtsbestandes zwei Journalisten von der Polizei als „Beschuldigte“ einvernehmen, ohne dass diese österreichische Gesetze verletzt hätten – auf schlichten Zuruf einer deutschen Staatsanwaltschaft.
Erst als profil die Vorgänge öffentlich macht, rudert die Justiz zurück, spricht von „Fehlern“ und „Missverständnissen“. Was, wenn dies nicht zwei streitbaren Journalisten widerfahren wäre? Was, wenn ein Bürger, der kein Nachrichtenmagazin hinter sich weiß, in die Fänge des Apparats gerät?
Schlag nach bei Kafka. (weiterlesen …)
Österreichs Justiz außer Rand und Band: Die Oberstaatsanwaltschaft Wien hat heute auf Nachfrage der Austria Presseagentur einbekennen müssen, dass Ulla Schmid und ich im Hypo-Komplex unrechtmäßig als Beschuldigte einvernommen wurden. (weiterlesen …)
Aus gegebenem Anlass eine Mitteilung in eigener Sache: Die Causa Hypo Alpe-Adria wächst sich zu einem Justizskandal allererster Güte aus. Die Staatsanwaltschaft München I hat völlig unvermittelt ein Ermittlungsverfahren gegen zwei profil-Journalisten eingeleitet, weil diese im Rahmen ihrer profil-Berichterstattung zum Hypo-Komplex aus Gerichtsdossiers zitiert haben, die auch der Staatsanwaltschaft München I vorliegen. Tatsächlich stellt die Veröffentlichung von Ermittlungsakten in Deutschland einen Straftatbestand nach §353d des Deutschen Strafgesetzbuches dar, der mit Geldbußen oder gar Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr geahndet wird. In Österreich ist dies aber völlig legal. Und dennoch wurde ein vor wenigen Wochen ergangenes Rechtshilfeansuchen der bayerischen Justiz von der Staatsanwaltschaft Wien umstandslos gebilligt.
Die Autoren Ulla Schmid und Michael Nikbakhsh werden nun in dem von der Staatsanwaltschaft Wien unter der Aktenzahl 313 HSt 197/10y geführten Verfahren als „Beschuldigte“ genannt und mussten sich bereits einer Einvernahme vor dem Landeskriminalamt Wien stellen. Parallel dazu wird auch gegen „News“-Chefreporter Kurt Kuch in Zusammenhang mit dessen Hypo-Berichterstattung ermittelt (profil ist Teil der Verlagsgruppe News). (weiterlesen …)