Sven Gächter

Mediamarkt

Im deutschen Frühstücksfernsehen klagte eine soignierte Dame vergangene Woche, „die Medien“ hätten jeden Respekt vor der Würde des Bundespräsidentenamts verloren. Keinesfalls jedoch klagte sie über die Tatsache, dass der deutsche Bundespräsident selbst der verfassungsmäßigen Würde seines Amts ganz offensichtlich nicht gewachsen ist – und dar­über hinaus in seinem Umgang mit den Medien Respekt durch Eitelkeit und Larmoyanz ersetzt. Wie der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg instrumentalisierte Christian Wulff die Kanäle der Öffentlichkeit, insbesondere den Boulevard, gern für seine eigenen Zwecke, solange sie der glamourösen Selbstdarstellung dienten. Dahinter steckt in Wahrheit weniger ein joviales als ein zutiefst herrschaftliches Verständnis von Medialität, das über kurz oder lang zum Implodieren verurteilt ist. Die Fälle Wulff und Guttenberg sind exemplarisch – nicht weil sie die Abgründe einer entfesselten Medienmaschinerie bloßlegten, sondern weil sie deren Funktionstüchtigkeit ernsthaft auf die Probe stellen. Die Maschinerie funktioniert einwandfrei, und es gibt keinen Grund, darüber zu klagen.

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