Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff war besonnen genug, seine kurze Rücktrittsrede am vergangenen Freitag nicht zu einer Generalabrechnung mit DEN MEDIEN zu nutzen. Das Apropos, die Berichterstattung habe ihn und seine Frau „verletzt“, dürfte er seiner Selbstachtung schuldig gewesen sein, wobei er möglicherweise Absicht mit Wirkung verwechselte: Die historisch wohl einzigartige Allianz zwischen Boulevard und High-Brow – von „Bild“ über „Spiegel“ und „Süddeutsche“ bis zur „FAZ“ – beruhte sicherlich nicht auf einem intermedialen Einvernehmen, aus Jux und Tollerei den höchsten Repräsentanten des Landes über die Klinge springen zu lassen. Deutschlands gebündelte Investigativkräfte erledigten ihren Job, mit jener Beharrlichkeit, die ein demokratisches Verständnis von Pressefreiheit auszeichnet, auch und gerade den nominellen Eliten gegenüber. Christian Wulff ist nicht über ein verschwörerisches Aufdeckungskartell gestolpert, sondern über seine eigenen zumindest zweifelhaften politischen Hygienestandards und am Ende über die Einschätzung der Staatsanwaltschaft, diese Standards offiziell zu untersuchen. Ein Grundverständnis dafür, dass in Österreich ähnlich rigorose Maßstäbe angelegt werden sollten, darf man von der Profitsurfer-Fraktion derer, die kein anderes Alibi nachweisen können als die Unschuldsvermutung, mit Sicherheit nicht erwarten.
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