Mit ‘Karl-Heinz Grasser’ getaggte Artikel
Was drängt Menschen, die den Vertrauenskredit der Öffentlichkeit nachhaltig verspielt haben, immer wieder geradezu zwanghaft in ebendiese Öffentlichkeit? Es ist nicht nur die trotzig vorgebrachte Unschuldsbehauptung, es ist der unstillbare Trieb, der persönlichen Eitelkeit den größtmöglichen Spiegel zu bieten, ungeachtet aller Dellen und Risse, die ihn schon verunstalten mögen. Der frühere Verteidigungsminister Deutschlands, Karl Theodor zu Guttenberg, boxte sich keine neun Monate nach seinem politischen Aus (Tod durch Plagiat) mit einem Interviewbuch samt Vorabdruck in der “Zeit“ ins Rampenlicht zurück, strotzend vor Larmoyanz und Selbstgefälligkeit. Der frühere Finanzminister Österreichs, Karl-Heinz Grasser, dokumentierte vergangene Woche mit einer veritablen Interview-Orgie in “Österreich“, (weiterlesen…)
Dass die Auseinandersetzung mit Karl-Heinz Grasser kein Spaziergang werden würde, war Michael Ramprecht wohl bewusst, noch ehe er die profil-Redaktion betreten hatte. Im Oktober 2009 stellte sich KHGs früherer Kabinettsmitarbeiter einem Interview mit meinem Kollegen Josef Redl, das der Causa Buwog einen völlig neuen Drall geben sollte (“Ein abgekartetes Spiel“). Grasser, unterste Schublade, versuchte Ramprecht daraufhin öffentlich als rachsüchtigen Irren zu diskreditieren. Was viel über die Verfasstheit des Finanzministers a. D. verriet. Schließlich hatte Grasser den vermeintlich Verhaltensauffälligen ja selbst an die Spitze der Vergabekommission zur Auswahl der Buwog-Investmentbank Lehman Brothers gesetzt. (weiterlesen…)
Amtsmissbrauch? Steuerhinterziehung? Untreue? Nichts als Unterstellungen, Verleumdungen, Missverständnisse. Sagt Karl-Heinz Grasser. Aber nicht nur er. Bei der gestrigen ORF-Diskussion “Im Zentrum” rezitierte Grasser die Zuschrift einer Unbekannten – und bescherte dem Publikum unfreiwillig einen kostbaren Moment TV-Geschichte. Grasser wörtlich: „Ich krieg zur Zeit extrem viel Post, extrem viel Zuspruch. Ich möchte aus einem Brief vorlesen, den ich mitgebracht habe: ‘Sehr geehrter Herr Minister, Sie sind für diese abscheuliche Neidgesellschaft zu jung als Finanzminister gewesen, zu intelligent, zu gut ausgebildet, aus zu gutem, wohlhabendem Haus, zu schön – und was für alles der Punkt auf dem I ist: Auch noch mit einer schönen und reichen Frau verheiratet. Soviel Glück darf ein einzelner Mensch einfach nicht haben, da muss man etwas dagegen tun. Es ist einfach traurig.’“
Es ist eines der ehernen Gesetze unserer Branche: Journalismus ist Wiederholung. Das liegt weniger an denen, die ihn betreiben, als vielmehr als jenen, die sie beschreiben. Was mich zur Justiz führt. Vor exakt einem Jahr notierte ich an dieser Stelle: Zeit ist bekanntlich relativ. Und es dürfte kaum ein Justizsystem in der westlichen Hemisphäre geben, in dem Zeit so überhaupt keine Rolle zu spielen scheint wie in Österreich. (weiterlesen…)
Wegen des großen Interesses hier noch einige interessante Details aus der „Anordnung” der Staatsanwaltschaft Wien und des Landesgerichts für Strafsachen Wien, mit der eine Offenlegung sämtlicher Grasser-Konten, Grasser-Zeichnungsberechtigungen und Grasser-Vollmachten von allen österreichischen Banken verlangt wird.
Heute keine Meinung in diesem Blog, sondern Fakten:
Wie profil in Erfahrung bringen konnte, hat die Staatsanwaltschaft Wien die Offenlegung sämtlicher Bankkonten des ehemaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser angeordnet. Die „Anordnung der Auskunftserteilung (Bankkonten und Bankgeschäfte)” richtet sich an alle Fachverbände der Kreditinstute und damit an alle österreichische Banken. „Bekannt zu geben” ist demnach, ob Grasser „im Zeitraum von Anfang 2001 bis laufend” eine „Geschäftsverbindung unterhält/unterhielt” oder eine „Geschäftsverbindung – etwa via eine Zeichungsberechtigung – kontrolliert(e)” oder eine „Vollmacht zur Verfügung über eine Geschäftsführung besitzt/besaß”. Die „Anordnung” ist mit 28. 7. 2010 datiert und wurde 29. 7. 2010 vom Landesgericht für Strafsachen Wien bewilligt.
Ortstermin Landesgericht für Strafsachen Wien, Donnerstag 15.7.2010, . Für 13.30 Uhr ist eine weitere (möglicherweise die letzte) Verhandlungsrunde im Medienverfahren Karl-Heinz Grasser versus Michael Ramprecht und profil angesetzt. Der Finanzminister a. D. hat seinen ehemaligen Kabinettsmitarbeiter wegen übler Nachrede geklagt, profil auf Urteilsveröffentlichung und Zahlung einer Entschädigung. Ramprecht hatte den Buwog-Verkauf in profil Ende 2009 ein „abgekartetes Spiel“ genannt (Printausgabe Nr. 41/09). Längst geht es in dem von Einzelrichter Gerald Wagner geführten Verfahren nicht mehr nur um üble Nachrede. Längst führt profil die Auseinandersetzung stellvertretend für alle Medien, denen die lückenlose Aufarbeitung des Buwog-Skandals wichtiger ist als die Pflege von KHG’s vermeintlichem Saubermann-Image.
Bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Verurteilung gilt selbstredend auch für profil die Unschuldsvermutung. (weiterlesen…)
Karl-Heinz Grasser ist längst so etwas wie die leibhaftige Unschuldsvermutung. Irgendwie stets mittendrin, aber doch nie dabei. Anfang April 2004 ließ er sich von Immofinanz-Lobbyisten Walter Meischberger einen Luxusurlaub im „Sainte Anne Resort & Spa“ auf den Seychellen sponsern. Acht Wochen, ehe die Bundeswohngesellschaften (Buwog) an das Immofinanz-Konsortium verkauft wurden – was wiederum Meischberger und Kompagnon Peter Hochegger um annähernd zehn Millionen Euro Erfolgsprovision reicher machte (nachzulesen unter www.profil.at). (weiterlesen…)